
Warum uns Paul Klee inspiriert
Über den Maler, der Musik in Bilder verwandelte – und dessen Kunst bis heute im Alltag lebendig ist
Paul Klee gehört zu den Künstlern, über die man auch mehr als 80 Jahre nach ihrem Tod noch spricht – nicht nur in Museen und Kunstbüchern, sondern überall dort, wo Farben, Formen und Gestaltung eine Rolle spielen. Seine Bilder hängen in den großen Sammlungen der Welt, von der Tate Modern in London bis zum Museum of Modern Art in New York. Und trotzdem wirken sie nie einschüchternd, nie akademisch abgehoben. Im Gegenteil: Klees Kunst hat etwas Zugängliches, das Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund anspricht. Aber was genau macht seine Werke so besonders?
Ein Leben zwischen Musik und Malerei
Paul Ernst Klee wurde am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern als Sohn eines Musiklehrers und einer Sängerin geboren. Die Musik begleitete ihn von klein auf: Mit sieben Jahren begann er mit dem Geigenunterricht und spielte bereits mit elf als außerordentliches Mitglied bei der Bernischen Musikgesellschaft. Daneben zeichnete er, wann immer sich die Gelegenheit bot.
Nach dem Schulabschluss 1898 stand Klee vor der Wahl zwischen Musik und Malerei. Er entschied sich für die Kunst und ging nach München, wo er sich zunächst vergeblich an der Akademie der Bildenden Künste bewarb. Er bezog ein eigenes Atelier, besuchte sporadisch den Unterricht der Kunstakademie und unternahm eine Studienreise nach Italien. Als er 1902 zurückkehrte, verdiente er sich seinen Lebensunterhalt zunächst als Geiger in Bern und lebte bei seinen Eltern.
1906 zog Klee endgültig nach München und heiratete die Pianistin Lily Stumpf, die er 1899 bei einer Kammermusik-Soirée kennengelernt hatte. Klee übernahm die Kindererziehung für den gemeinsamen Sohn Felix, arbeitete aber weiter an seiner Kunst. 1911 lernte er Alfred Kubin kennen, der sein erster Sammler wurde – angezogen vom Sarkastischen und Skurrilen in Klees frühen Arbeiten.
Diese Verbindung von Musik und bildender Kunst ist ein Grund, warum Klee bis heute fasziniert. Seine Bilder folgen oft musikalischen Prinzipien: Rhythmus, Variation, Wiederholung mit Abwandlung. Oskar Schlemmer, sein späterer Kollege am Bauhaus, notierte schon 1916 in sein Tagebuch, Klees Bilder seien „innig, zart, und vieles andere Beste, und dies vor allem: er ist neu." Und der Schriftsteller Wilhelm Hausenstein beschrieb Klees Malerei als eine Kunst, die „einer in Noten geschriebenen Komposition nicht unähnlich scheint."
Tunis 1914 – die Entdeckung der Farbe
Den entscheidenden Wendepunkt in Klees künstlerischer Entwicklung markiert die Reise nach Tunis im April 1914. Gemeinsam mit den Malern August Macke und Louis Moilliet reiste er nach Nordafrika. Das Licht, die Farben der Landschaft und die ornamentalen Muster der nordafrikanischen Architektur trafen Klee tief. Er malte zahlreiche Aquarelle und notierte in sein Tagebuch den berühmt gewordenen Satz: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Das ist der Sinn dieser glücklichen Stunde: Ich und die Farbe sind eins."
Von diesem Moment an wurde Farbe für Klee zu einem eigenständigen Ausdrucksmittel – nicht mehr bloß Beschreibung des Sichtbaren, sondern ein Mittel, Stimmungen und innere Zustände sichtbar zu machen. Diese Haltung zur Farbe wirkt bis heute nach. Sie ist einer der Gründe, warum Klees Bilder auch auf Menschen ansprechen, die sich sonst wenig mit Kunstgeschichte beschäftigen: Die Farben vermitteln etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt, aber sofort fühlbar ist.
Aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, den Klee als Soldat in der Fliegerschule Gersthofen verbrachte, stammt ein Werk, das Malerei und Dichtung auf ungewöhnliche Weise verbindet: das Aquarell „Einst dem Grau der Nacht enttaucht" (1918). Klee setzte darin ein vermutlich selbst verfasstes Gedicht in farbige Buchstabenquadrate um – Schrift wurde zum Bild, Sprache zu Farbe. Dieses Zusammenspiel verschiedener Ausdrucksformen zieht sich durch sein gesamtes Werk und macht es so vielschichtig.
Kein Stil, sondern eine Haltung
Klees Werk lässt sich keiner einzelnen Stilrichtung zuordnen. Es gibt Bilder, die dem Expressionismus nahestehen, andere erinnern an kubistische Kompositionen, wieder andere an surrealistische Traumlandschaften. Klee selbst sah sich nie als Vertreter einer bestimmten Schule. Er nahm sich aus verschiedenen Strömungen, was seinem jeweiligen Ausdrucksbedürfnis entsprach – und erfand dabei immer wieder etwas Eigenes.
Diese Unabhängigkeit macht seine Kunst zeitlos. Werke wie „Burg und Sonne" (1928) – eine aus geometrischen Farbflächen zusammengesetzte Burglandschaft im warmen Abendlicht – verbinden Abstraktion mit einer Gegenständlichkeit, die sofort erkennbar bleibt. Das 1929 nach seiner zweiten Ägyptenreise entstandene Gemälde „Haupt- und Nebenwege" verarbeitet die Farb- und Lichterfahrungen des Niltals in einem System aus rhythmisch angeordneten Streifen und Flächen. Beide Werke zeigen, wie Klee aus dem, was er sah und erlebte, etwas machte, das über die bloße Abbildung hinausgeht – ohne dabei den Bezug zur sichtbaren Welt zu verlieren.
Im Lauf seines Lebens schuf Klee rund 10.000 Gemälde und über 4.800 Zeichnungen. Zu seinen Hauptwerken gehören neben den genannten unter anderem „Senecio" (1922), „Die Zwitscher-Maschine" (1922), „Ad Parnassum" (1932) und „Insula Dulcamara" (1938).
Kunst für den Alltag – Klee am Bauhaus
1920 wurde Klee von Walter Gropius als Werkstattmeister an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Die Grundidee des Bauhaus – Kunst, Handwerk und Gestaltung zusammenzudenken und in den Alltag zu bringen – passte zu Klees eigenem Verständnis. Er lehrte dort bis 1931 und war anschließend bis 1933 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf.
Die Bauhaus-Jahre waren produktiv. Klee entwickelte eine umfassende Farb- und Formenlehre, unterrichtete Studierende und schuf parallel dazu zahlreiche Werke. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde seine Kunst als „entartet" diffamiert. Die Familie emigrierte in die Schweiz, wo Klee trotz einer schweren Erkrankung bis zu seinem Tod am 29. Juni 1940 weiterarbeitete. Allein in seinem letzten Lebensjahr entstanden über 1.200 Werke.
Dass Kunst nicht nur an die Wand eines Museums gehört, sondern Teil des täglichen Lebens sein darf – das ist eine Idee, die Klee und das Bauhaus verbindet. Und es ist ein weiterer Grund, warum Klee heute noch inspiriert: Seine Motive funktionieren nicht nur als Gemälde, sondern auch auf Gegenständen, die wir täglich benutzen.
Paul-Klee-Motive im SWP-Shop
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Wer Klees Kunst am liebsten unterwegs bei sich trägt, findet im Shop zwei Herrenschals: einen mit dem Motiv „Blau" und einen mit dem Werk „Einst dem Grau der Nacht enttaucht" – jenem Aquarell, in dem Klee Poesie und Malerei miteinander verschmolz.
Auch die Stockschirme mit den Motiven „Burg und Sonne" und „Haupt- und Nebenwege" sind praktische Begleiter, die Klees Farbwelt in den Alltag holen. Das Set aus Stockschirm und Seidenschal mit dem „Haupt- und Nebenwege"-Motiv verbindet beide Accessoires.
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